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Der ganz normale patagonische Wahnsinn

Meine Lieben,
jetzt bin ich schon eine Woche hier im wohl aufregendsten Teil von Chile und Argentinien unterwegs und habe immer noch nichts von mir hören lassen.
Aber die Eindrücke schießen hier wie blöd auf einen ein und unsere Hammer-10-Tages-Tour schlaucht inzwischen auch ein bisschen an den Kraftreserven, die so angesammelt wurden.
Zumindest kurz möchte ich die ersten paar Stationen anreißen, die wir hatten. Da es wirklich viel Arbeit wäre, alles nochmal nachzuschreiben, kopiere ich einfach E-Mail-Teile, die ich schon einigen Leuten nach Hause geschrieben habe...
Letzten Dienstag ging es schon früh los nach Punta Arenas, der südlichsten Großstadt der Welt (Großstadt ist hier wichtig!), wo wir uns gleich einen Rundgang gegönnt haben, der aber eher schnell zu Ende war (ich denke, dass Obertshausen wesentlich größer ist als die "Großstadt") und bei einem Spaziergang am Pazifik endete. Der viele Wind, der so typisch für Patagonien ist, hat uns aber doch recht schnell in die Federn gehauen, weil wir am nächsten Tag raus auf die Isla Magdalena zu den 120.000 Pinguinen wollten - kein Witz.

Über die Pinguine würde ich jetzt wahrscheinlich gar nicht fertig werden, deswegen werde ich das dann anhand von Bildern zu Hause gerne nochmal lebhaft erklären. Es ist unvorstellbar, eine ganze Insel übersät von Löchern, Pinguinpärchen und ihren Jungen, der totale Wahnsinn. Die Mehrheit ist natürlich sehr scheu und watschelt munter vor einem davon. Einen jungen Freund haben wir dann doch getroffen, der große Freude am Probieren unserer Schwimmwesten und Hosen hatte und mir vor lauter Überschwänglichkeit kräftig ins Knie gebissen hat – autsch!
Die Rückfahrt sollte sich jedoch etwas anders gestalten als geplant =/ statt nach 1 ½ Stunden Rundgang wieder mit dem Schiff abzulegen, lagen wir wegen der extremen Ebbe seitlich auf Grund, weswegen das ganze Schiff einen unangenehmen Winkel hatte und eher wie gekentert aussah! Gott sei Dank ließ die Flut auch nur 4 (!) Stunden auf sich warten, so dass wir dann um halb elf abends mit voller Motorendröhnung Richtung Hafen gedüst sind. Dank des Wellengangs bekam ich ein so wohliges Gefühl, dass ich die restlichen 2 Stunden Fahrt an Deck in eisiger Kälte verbringen musste und keinen Schritt ins Schiffsinnere wagen konnte. Aber hey, die Pinguine sind das voll und ganz wert!

Am Donnerstag haben wir uns dann auf den Weg nach Ushuaia gemacht, was bis Rio Grande in Argentinien auch alles planmäßig und reibungslos verlief. Das mit dem fehlenden Zettel für meine Ausreise (Reisen in der EU ist soooo angenehm - ich habe hier für die Grenzübegänge jetzt wirklich schon 1.000 mal geschrieben, wer ich bin, was ich will und wohin ich gehe!) interessierte irgendwie niemanden und ich bin munter und fröhlich mit 10 anderen Zetteln ausgereist. Unser Bus war bei knapp 40 Plätzen immerhin nur von 10 Mann belegt
Das Abenteuer begann auf der Passüberquerung ins Tal von Ushuaia. Man sollte ja meinen, dass sogar in Patagonien bekannt ist, dass im Dezember auf der Südhalbkugel Sommer ist. Irgendwie dachte sich das Wetter aber, ein paar Reisenden das Leben schwer machen zu müssen und entschied sich kurz vor dem Pass für Schneefall. Das bedeutete die ersten 1 ½ Stunden bei eisiger Kälte im Bus (inzwischen zu einem Kleintransporter gewechselt!) warten, weil am Berg mehrere LKW’s ineinander gefahren waren bzw. quer standen. Ein wenig höher am Berg war von dem anfänglichen Schneefall nicht mehr viel zu sehen, stattdessen stellte sich lieber ein ordentlicher Schneesturm ein, der uns an einer zweiten Stelle eine weitere Stunden warten ließ! In der nächsten Zeit haben wir uns dann über spiegelglatte Fahrbahn an liegengebliebenen Fahrzeugen vorbeigekämpft, neben uns der Abgrund ins weiße Nichts oder ein halber Meter Schnee und wir unterwegs auf Sommerreifen. Unser einziges Glück, dass wir jetzt wahrscheinlich noch leben UND angekommen sind, war das Gewicht unserer Truppe im Bus, so dass wir schwer genug waren, um vorwärts zu kommen. Ob der Busfahrer jemals durch Schnee gefahren ist, bezweifle ich, hat er doch beim Heckausbruch seines Gefährts weiter munter Gas gegeben und André und mich in helle Aufregung versetzt…wir schienen irgendwie die einzigen Menschen an Bord zu sein, die schon einmal Eisglätte erlebt haben!

Da noch ein paar Menschen einen Flug in Ushuaia bekommen mussten, ist er dann, sobald der Schnee dem Matsch gewichen war, mit über 100 den Berg runter gebrettert und siehe da, Ushuaia begrüßte uns mit Sonnenschein. Verrückt dieses Patagonien!
So viel gewartet und Unglaubliches erlebt, wie in den ersten beiden Tagen habe ich selten! Ushuaia ist eine wunderbare Stadt und endlich kam die Weihnachtsstimmung! Aber wahrscheinlich nur, weil es wirklich erbärmlich kalt war, der Himmel patagonisch verhangen und ich bis zur Wade im Schnee gestanden habe.
Sind nämlich zum Glaciar Martial hinter Ushuaia gewandert, um dort die Aussicht zu genießen. Dem anfänglichen Wind folgte die Sonne, ein Schneesturm, wieder Wind und so weiter...recht heiter. Besonders gut war dann auch, dass der Weg nass und rutschig war und überhaupt nicht steil (keine Ahnung, wie meine Waden mich da überhaupt hochstemmen konnten!). Nervlich war ich wirklich am Ende, als wir oben waren, weil es gezogen hat wie sonstwas und wir die ganze Zeit von einem Hund besonderer Güte begleitet worden sind. Nicht, dass ich mich irgendwie unwohl in der Gegenwart von Hunden fühle, aber dieses Exemplar ist uns beim Aufstieg ständig zwischen die Beine gelaufen und hat jedes Mal aus Leibeskräften gebellt, wenn wir auch nur an Stehenbleiben gedacht haben. Irgendwie hat ihn auch kein anderer Wanderer interessiert - Mierda! Ich denke, deswegen waren meine Knie doppelt so weich und mein Herz doppelt so laut wie normal. Ein paar Fotos ohne bellenden Hund haben wir dann doch hinbekommen. Der Geltscher selbst war auch vollkommen für die Füße, aber die Aussicht auf Ushuaia der Hammer. Für mich war auch eigtl. nur wichtig, dass ich da wirklich hochgekommen bin (runter sogar auch zu Fuß und nicht auf dem Po!). Nach einem Powerschlaf im Hostel haben wir dann nochmal einen längeren Spaziergang zur anderen Seite von Ushuaia gemacht, um im Abendlicht ein paar gute Blicke zu haben.

Den zweiten Tag in Ushuaia mit unserem Besuch im Nationalpark Tierra del Fuego, der Fahrt nach El Calafate (aaaaaaaah!) und der Gletscherbesuch Perito Moreno (geile Scheiße!) kommen die Tage.

Frostigen Kuss an alle.
14.12.10 01:52
 


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