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Me muero de trabajo!

Auf gut deutsch: Ich komme um vor Arbeit! Eigentlich sollte ich gerade dabei sein für eine meiner drei (!) Klausuren in den kommenden drei Tagen zu lernen, wo es immerhin schon wieder fast 13 Uhr ist, aber nachdem ich 2 Wochen kein Lebenszeichen von mir gegeben habe, werde ich es eben doch nochmal für ein halbes Stündchen aufschieben!

Nachdem ich von einem meiner sensationsgeilen Mitstreiter beschuldigt worden bin, ich hätte den "TATHERGANG" sehr lieblos beschrieben (Cállate, Peter !) und zudem einige besorgte Anfragen aus Deutschland eingegangen sind, kann ich nur sagen, dass alles in bester Ordnung ist. Frank sieht ohne seine Fäden und ohne blaues Auge sogar wieder sehr menschlich aus. Das einzige, was von diesem Schock geblieben ist, ist die Voreingenommenheit mit der ich den Menschen hier jetzt begegne! Leider sieht plötzlich jeder Chilene wie ein potenzieller Bösewicht aus und ich bewege mich nachts nicht mehr gerne auf der Straße, auch wenn meine Umgebung eigtl. absolut in Ordnung ist. Schade, denn dadurch tue ich vielen Menschen hier wirklich Unrecht, weil sie wirklich klasse und hilfsbereit sind! Gestern kam dann noch ein Schreiben der Polizei, dass mein Fall eingestellt wird, wenn ich mich nicht innerhalb von 10 Tagen melde und Personenbeschreibung bzw. Täternamen angeben kann - ahja. Vielen Dank auch, dass alle Chilenen klein und dunkel sind, meist böse gucken und wahrscheinlich alle Francisco, Eduardo oder Heinz heißen und besser Deutsch als Englisch sprechen. Jedenfalls DARF ich mir eine Kopie meines Falles "ROBO CON VIOLENCIA" (Gruß an Frank :D) abholen.

Den Rest der Woche habe ich mit kleinen Erholungsaktivitäten, wie chilenischen Perso neu beantragen, Hausarbeit schreiben und Kinogängen verbracht. Wenn hier auf einem chilenischen Amt mal nicht gerade gestreikt wird, dann kann man eine Viertelstunde nach der Öffnungszeit immerhin schon die Nummer 86(!) ziehen und sich zufrieden auf 2 Std. Warten freuen, die man gequetscht zwischen den anderen 85 Personen verbringen kann...

Auch Hausarbeiten haben einen gewissen Reiz in Chile. Bin ich an der FS nie in den Genuss einer solchen Arbeit gekommen, durfte ich hier 40 Seiten über das chilenische Finanzsystem lesen, um schließlich völlig zusammenhanglose Fragen zu beantworten. Das Ganze hat mich Gott sei Dank nur eine Woche Nerven gekostet, um am Ende 6 Seiten Finanzmathematik auf Spansich zu produzieren. Jemand an einer Kopie interessiert?

Kino ist sogar eine feine Sache in Chile, wenn man die richtig großen Streifen sehen will. Da wird nämlich nicht erst gewartet, bis sie 100 Jahre später völlig schlecht ins Spanische synchronisiert sind, sondern sie werden einfach auf Englisch mit spanischem Untertitel an die Wand geworfen, was für mich absolut doppelt produktiv war, weil ich die ganze Zeit anhand des Untertitels kontrolliert habe, ob ich das Gesagte auf Englisch verstanden habe. Deswegen laufen hier auch im Fernsehen Kinofilme, die ein halbes Jahr alt sind oder alle neuen Staffeln von Serien, auf die wir noch hundert Jahre warten müssen. Einfach weil sie auf Englisch mit Untertitel ausgestrahlt werden - worth it!

Den letzten Sonntag habe ich dann in der Nähe von Santiago in einem Naturreservat bei strahlendem Sonnenschein und 20°C verbracht (ich will ja nichts sagen, aber mein Winterwetter ist so viel geiler inzwischen als das Sommerwetter in Deutschland, haha!). Wir sind den ganzen Tag verschiedene Rundwege gelaufen, haben an Plätzen mit echt lohnenswerter Aussicht gepicknickt und hatten echt alle einfach nur einen schönen Tag mit ein bisschen Zeit für gute Gespräche oder einfach nur für sich selbst. Alles inklusive kleinem Sonnenbrand - werde mir dann wohl doch mal 70er Sonnencreme zulegen (Bilder gibt es neben auf dem Link auch 2-3 neue)

Die letzte Woche war dann von neuen Hausarbeiten, Workshops etc. geprägt und vom Reisen buchen. In 2 Tagen steht dann der Sven plötzlich vor meiner Tür, um mich 14 Tage mit seiner Anwesenheit zu beglücken. Da ich übernächste Woche frei habe (200 Jahre Unabhängigkeitsfeier geben ein riesen Spaktakel), machen wir zwei uns Ende nächster Woche für 5 Tage Richtung Atacama-Wüste auf. Das wird ein toller Trip sage ich euch. Sonnenaufgänge in 4000m Höhe mitten im Geysir-Feld, Naturreservate, Ruinen-Touren und schließlich Abenddämmerung in einer Wüste, die noch nie eine messbare Wassermenge gesehen hat! Wahnsinn...vorher muss ich, wie gesagt, nur meine 3 Klausuren überleben, was ich bis jetzt für noch nicht sehr wahrscheinlich halte. Aber das tue ich ja nie! Es graut mir nur ein bisschen davor, zu wissen, dass ich 70% schreiben muss, um zu bestehen. Vorausgesetzt, ich verstehe die Aufgabenstellung

Bevor ich mich deswegen wieder meiner Lieblingsbeschäftigung widme (wenn ich in Deutschland so viel für die Uni tun würde - ein Traum!), möchte ich aufgrund eines Gästebucheintrags einen längst überflüssigen Spracherguss nachholen. Er gilt natürlich zunächst einmal Peter, dem Undertaker, der es schafft, hünenhaft und mit unterirdisch schlechtem Humor eine wahre Fülle an Helden in sich zu vereinen. Ich möchte hiermit meine tiefe Dankbarkeit aussprechen, dass ich einen Teil meines chilenischen Weges mit euch Rocky, Rambo, Bud Spencer, Terence Hill, Jack Wolfskin und Conan teilen darf. Ihr sollt wissen, das Master und Chief von einem ständigen Beben ergriffen werden, wenn sie nur in eure Nähe kommen und dass in einer Ecke meines Herzens ganz groß OLLE, WAS GEHT! steht. Mögen euch auf eurem Weg noch viele Backpulverhändler, nur mit ihrem Körperfett bekleidete Damen mit Achselhaaren und einige Trinkkampfmaschinen namens Frank über den Weg laufen und am Ende die EINE PERSON, die nicht ins "office" gehört! Amen.

5.9.10 19:25


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Wie ein Wochenende so gut anfangen und so beschissen aufhören kann...

Ich lasse heute einfach mal den obligatorischen Wochenverlauf aus, der dieses Mal aus noch weniger Zeit als sonst bestand, und komme gleich mal zum Auf und Ab meines Wochenendes

Samstag konnte endlich der langersehnte Ski-Trip in den Anden stattfinden. Nachdem es zwischenzeitlich richtig düster aussah mit den Teilnehmern, haben wir es am Ende immerhin auf eine beachtliche Zahl von 21 (+2) Teilnehmer geschafft. Die +2 Teilnehmer sind anscheinend ebenfalls Austauschstundenten meiner Uni, die ich aber noch niiiiiie gesehen habe, die aber plötzlich im Bus saßen und behauptet haben, sie seien in meiner Gruppe (ich muss dazu sagen, dass ich "jefe de grupo" war, weil ich das ganze Trara natürlich wieder organisiert habe). Joa, ich muss nicht dazu sagen, dass es sich hierbei um Mexikaner handelte - werde mich wohl nie an diese südamerikanischen Gepflogenheiten gewöhnen. Da sie sich immerhin bereit erklärt haben, alle Kosten direkt zu zahlen, was mir das dann auch herzlich egal.

Unsere internationale Truppe hat sich also in der folgenden Stunde auf einer wirklich beachtlichen Serpentinen-Straße ca. 3000m in die Höhe geschraubt, um der Sonne und dem vollkommen wolkenlosen Himmel immer näher zu kommen. Angekommen, ging es noch schnell zum Skiverleih und dann ab mit den Anfängern zum Skikurs. Dort habe ich es dann leider doch nicht länger als 5 Minuten ausgehalten, weil ich mich doch zu "advanced" für den Schneepflug gefühlt habe. Bin dann also mit einer anderen Gruppe über einige Pisten gedüst, habe dank eines bestechend schlechten Equipments Bekanntschaft mit einer Eisplatte gemacht und bin mit wirklich brennenden Oberschenkeln beim Mittagessen angekommen. 

Mittags habe ich mich dann einer Anfängerin angenommen, um die ich wirklich ein bisschen Angst hatte und immerhin haben wir in 2 Std. 4 Pisten geschafft. Völlig erledigt, aber oberglücklich über Schnee und die famoseste Aussicht der Welt, haben wir dann auch irgendwie den Weg wieder zurück in den Smog von Santiago geschafft. Ski fahren in den Anden lohnt sich!

Leider werde ich euch die Fotos davon niemals in meinem Leben präsentieren können, weil ich seit gestern u.a. keine Kamera mehr besitze. Unglaublich schönen Tagen in Chile müssen wohl richtig schlechte folgen! Nachdem ich den ganzen Tag halbtot von Sonne und anderem irgendwo über meiner Hausarbeit für Freitag hing, habe ich mich abends dann mit "meiner deutschen Familie" zum Essen getroffen. Habe mich dann mit Frank und Christian zu Fuß auf den Heimweg gemacht, weil die beiden nahe eine Bushaltestelle wohnen, an der mein Bus nach Hause hält. In der Mitte zweier großer Straßen ist ein Park durch den wir schon einige Male, auch nachts um 1 Uhr, ohne Probleme gelaufen sind.

Doch gestern hatten wir das Glück Bekanntschaft mit einigen aggressiven Fußball-Fans zu machen =/ nachdem sie uns eine Weile friedlich gefolgt sind, ist einer von einer auf die andere Sekunde in Christians Rücken gesprungen und sofort waren zwei andere bei ihm, die seine Hosentaschen befühlt haben und Geld wollten. Glücklicherweise hatte er nichts dabei! Doch dann haben sie meine Tasche, die ich zwischenzeitlich unter meinen Arm geklemmt hatte, gesehen. Ich hatte noch gar nicht reagiert, da hatte sie mir schon einer von hinten unter dem Arm rausgerissen und das Weite gesucht. Als er dann einen Haken Richtung Straße schlug, bin ich, dumm wie ich war, weil ich nur an meine Tasche denken konnte, ihm über die 4spurige Straße hinterher gerannt. Und mein bester Frank ist natürlich wiederum mit hinterher. Als sie dann aber angefangen haben ihre Flaschen nach uns zu schmeißen, bin ich stehengeblieben. Und obwohl wir überhaupt nichts mehr in Richtung Verfolgung unternommen haben, kamen 4 weitere Jungs von hinten an und fingen einfach an, den armen Frank wie blöd zusammenzuschlagen. Gott sei Dank hat er sich geistesgegenwärtig auf den Boden geworfen, um sich zu schützen. Ich kann euch gar nicht beschreiben, wie schrecklich es ist, mitansehen zu müssen, wie einer meiner Freunde zusammengeschlagen wird. Ich bin dann auf die Straße gerannt, um das nächste Auto anzuhalten. Die Chilenen im Inneren waren super nett, haben sofort angehalten und sind ausgestiegen. Das haben die Schlägertypen auch gesehen und sind endlich abgehauen. Und dann liegt da ein regungsloser Frank in seinem eigenen Blut, grausam!!!

Nach einer Stunde Warten auf die Polizei (die Chilenen waren die ganze Zeit bei uns!) und einem netten Herren, der mir sogar die Überreste meiner Tasche wiedergebracht hat, sind wir dann endlich mit Blaulicht ins Krankenhaus gefahren worden. Während ein Polizist meine Daten und meinen Fall aufgenommen hat (mir fehlen NUR meine Kamera, mein Portemonnaie mit Geld, deutschem und chilenischem Perso - Kreditkarte und alles habe ich noch), ist der andere mit Frank in die Notaufnahme, wo dieser dann erst auseinander genommen und anschließend außen am und innen im Mund genäht wurde und einen hübschen Tampon in die Nase bekam.

Tja, jetzt bin ich wenigstens mal von der Polizei heimgebracht worden und habe einen wirren Tag hinter mir, muss den ganzen Mist bei den Behörden wieder beantragen und sehe in jedem Kerl einen potenziellen Übeltäter, aber am meisten tut mir die Geschichte mit Frank Leid. So ein Müll...

Okay, meine Lieben, seid nicht beunruhigt, aber ich habe keine große Lust mehr über das Thema zu reden, habe es schon so oft getan heute - in allen Sprachen, die ich kann und ich habe morgen eine Prüfung.

Melde mich bald mit schönen Neuigkeiten. Aber es ist alles in Ordnung. Chile ist großartig, trotz allem!!!

Küsschen <3

24.8.10 04:33


Erster Field Trip mit der Uni

So, um alles Verpasste des letzten Eintrags nachzuholen: Ich habe sie endlich - meine hübschige chilenische ID-Card. Jetzt bin ich also offiziell geduldter Ausländer in Santiago mit eigener Personalnummer. Wirklich toll ist an dieser Plastikkarte leider nichts. Ursprünglich bin ich davon ausgegangen, dass ich nun sozusagen als Einheimischer Vergünstigungen bei Reisebuchung etc. erhalte. Aber da habe ich etwas daneben gelegen. Die Nummer ermöglicht es mir lediglich, jetzt überhaupt Buchungen und Käufe im Internet vornehmen zu DÜRFEN! Als Nicht-Chilene scheitert das Leben im Internet nämlich immer an dem Punkt, an dem man seine RUT zur Fortführung des nächsten Schrittes eingeben muss. Herzlich willkommen im Fortschritt! Naja, ansonsten lieben es die kleinen Leute hier, ihre Nummer überall angeben zu müssen: an der Kasse im Supermarkt, bei der Sportkurseinschreibung in der Uni (vllt. fahndet Chile Underground nach mir, wenn ich nicht auftauche), bei allem...

Freitag durfte ich dann wieder ein bisschen durch die weiten von Santiago irren, um meine Studentenkarte für die Metro zu beantragen, mit der ich dann endlich vergünstigt fahren kann. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie viel Geld dieses Metro fahren kostet. Aber leider hat der Weg zur Uni diese undankbare Gehzeit von 30 Min. und abends will man dann auch eigtl. nur schnell nach Hause, wenn das Thermometer sich mal wieder überlegt von 16°C auf 3°C zu fallen. Jedenfalls bekomme ich das Teil in geschätzten 2 Monaten, so dass ich dann wenigstens 2 weitere noch ein bisschen Nutzen davon habe. 

Danach bin ich mit André (mein Mitstreiter, der ich zum Andenken an die FS aus Frankfurt mitgenommen habe), nach einem kleinen Umweg über den Food Plaza eines beliebten Einkaufszentrums, endlich zur ersten Stunde meines Finanzmathekurses gegangen. Drei Stunden später hatte ich André mit meinem breiten Grinsen fast von seinem Stuhl geworfen, wusste aber, dass ich diesen Kurs trotz unmenschlicher Zeiten (Mittwoch und Freitag 19-22 Uhr und Samstag 11-12.30 Uhr), einfach behalten muss. Offiziell ist er für das 5. Semester ausgeschrieben, aber nachdem wir 1 1/2 Stunden Jahres- in Tageszinsen und umgekehrt konvertiert haben, war ich mir nicht mehr ganz so sicher, was ich vom Niveau halten soll (verwöhnte Privatstundenten). Meine restlichen Kurse stammen auch irgendwie nur aus Semester 7 und 8...fraglich!w

Und dann war es endlich so weit: Samstag Morgen Field Trip mit der Uni. Ausgerüstet für eine Tour die 12-stündige Tour mit Fußbandage (Gruß an die Entzündung!), Schmerztabletten, Kamera, Lunchpaket guter Laune gings um 8.30 Uhr los. Zum Lunchpaket muss man sagen, dass sie Mayonnaise auf dem Brot obligatorisch ist - immerhin bin ich schon einen Monat hier und so weit eingefleischt, dass ich den größten Mayo-Konsumenten nach USA tatkräftig unterstützen muss. Während man im Supermarkt verzweifelt nach einer Alternative zu der einen angebotenen Shampoo-Sorte oder Sachen, die an deutschen Essen erinnern, sucht, kann man sich vor Mayonnaise (und Öl) kaum retten...allerdings gibt es hier keine Gläser wie bei uns zu Hause, sondern in riesigen Tüten mit Schraubverschluss. Leider finde ich im Internet gerade kein Bild, um euch das besser zu erklären.

Aber darum geht es ja auch eigtl. nicht Als erstes sind wir in einen Vorort von Santiago gefahren, um uns den Templo Votivo de Maipú und das dazugehörige historische Museum anzusehen. Letzten Endes handelt es sich hierbei um eine architektonisch außergewöhnliche Kirche, die wohl ein Zentrum der Marienverehrung ist. Stelle morgen dann auch entsprechende Bilder ein! Danach sind wir zu einem Dorf namens Pomaire gefahren, dass anscheinend ausschließlich von Touristen lebt, da man außer Läden mit Kunsthandwerk, typischer Kleidung und Restaurants mit chilenischer Kost nichts sehen konnte Haben dann auch mit 120 Personen in einem dieser Restaurants typisch chilenisch gegessen:Ich liste hier einfach mal ein bisschen was auf, um euch ein kleines Bild zu geben.

Zuerst gab es Chicha, ein Getränk, das aus Orangensaft, Mineralwasser und Alkohol bestand. So haben sie es uns erklärt und das möchte ich auch lieber so glauben, da ich gerade eine etwas andere Beschreibung auf Wikipedia gelesen haben - uaaah. Dann gab es natürlich Empanadas. Ein chilenisches Essen ohne ist undenkbar - eine ganze Teigtasche zu essen ist für mich unvorstellbar, da es im Inneren nur so von Zwiebeln wimmelt...zum Hauptgericht konnte man aus verschiedenen Gerichten wählen.

1. Cazuela de Ave: Eine Suppe mit Hähnchenschenkel, Maiskolben, Kartoffeln, Bohnen und Kürbis

2. Pastel de Choclo . Ein Maisauflauf, der mit Hackfleisch, verschiedenem Gemüse und tausend Gewürzen gefüllt ist.

3. Pollo con papas fritas: Ja, Brathähnchen mit Pommes ^^

Was hab ich gegessen? Richtig!

Zum Nachtisch gab es ein Getränk, dessen Namen ich nicht mehr weiß und deswegen auch nur aus meiner Erinnerung beschreiben kann. Unten im Glas befanden sich Körner und Haferflocken, darüber kam ein getrockneter Pfirsich und das ganze wurde dann entsprechend mit Pfirsich-Saft aufgefüllt. Chilenisch süß eben! Ah, habe es doch: Mote con Huesillo.

Weiter ging es Richtung Isla Negra, eine Stadt an einer Küstenspitze, in der Pablo Neruda gelebt hat. Habe euch ja schon erzählt, dass Chilenen ganz verrückt spielen, wenn eine Sache etwas mit Pablo Neruda zu tun hat und so auch hier. In kleinen Gruppen haben wir uns dann durch sein Haus am Strand führen lassen. Aufgebaut ist es wie das Museum in Santiago (davon habe ich geschrieben), aber das komplett verglaste Schlafzimmer mit Sicht aufs Meer war irgendwie schon ein wenig dekadent. Nach Erholungsphase am Strand ging es dann wieder Richtung Heimat. 

Dort fing der übliche Wochenendtrubel an: Wo gehen wir hin? Da ein Großteil unserer Intercambios aus Brasilien kommt, wollten wir daher in eine brasilianische Bar gehen. Da dieser Ort aber anscheinend doch nicht exisitierte, sind wir schließlich in einer der vielen ranzigen Eckkneipen im Partyzentrum Bella Vista gelandet. Da mir nach so viel frischer Luft und mit meinem dicken Fuß nicht nach Tanzen zumute war, habe ich im "Love Paradise Beeringer" einem Filmabend beigewohnt und (da ich kategorisch beim Filme schauen eingeschlafen bin) dann auch gleich die Augenpflege an ort und Stelle betrieben. So habe ich dann heute Morgen nach über 24 Std. auch mein Zimmer mal wieder gesehen.

Heute Mittag bin ich dann mit Carolin (auch Intercambionista) noch einmal zum BioBio-Markt gefahren, um mich für unsere Ski-Tour am Freitag (bäh bäh bäh: ich gehe in den Anden Ski fahren!) auszurüsten. Eine Polarstrumpfhose, einem Paar Wintersocken mit Laufsohle für Zuhause, zwei Mützen, drei Sonnenbrillen (nein, ich brauche sie bestimmt alle!) und 10.000 Pesos weniger (15€ :D), bin ich schließlich wieder hier gelandet und freue mich wahnsinnig auf mein Bett. Die nächste Woche wird nochmal knackig mit Kursen anschauen und Spanischprüfung...

Muss mich an dieser Stelle mal entschuldigen, dass ich so vielen noch kein wirkliches Lebenszeichen gesendet habe. Ich denke wirklich oft daran, aber ich bin wirklich zu 90% meines Tages einfach beschäftigt und in den 10 Min. Ruhe vor dem Schlafen gehen, freue ich mich oft einfach nur auf 10 Seiten lesen und dann finito. Aber ich habe diese Woche am Mittwoch auch frei und werde dann endlich mal ein paar persönliche Mails mit Skype-Anfragen um die Welt schicken. Außerdem hängt der Großteil in meinem Zimmer an der Wand, so dass ich euch doch irgendwie jeden Tag sehen kann!

Großen Kuss und eine Eistüte <3

16.8.10 04:49


Wer bin ich? Und wenn ja: wie viele?

So oder ähnlich könnte man meine heutige Tagesform gut beschreiben. Nach meiner soeben erfolgten Rückkehr aus dem "Love Paradise Beeringer, Santa María 383, Wohnung 62" (ich habe bei Freunden übernachtet ), dachte ich mir, dass ich euch vllt. mal wieder etwas Unterhaltsameres schreibe könnte, als meine sterbensöde Kurswahl-Misere! Die ist weiter munter am Werden :D

Einziges Problem: Seit Montag sind mir wirklich nuuuuur endsspannende Sachen passiert (NOT!), so dass ich echt viel zu erzählen habe *hust*.

Durfte mich am Montag wieder an chilenischer Genauigkeit und Termintreue erfreuen, weil mein Spanischeinstufungstest einfach mal um 1 1/2 Wochen verschoben wurde. So was erfährt man aber leider immer erst, wenn man schon 1 Std. unterwegs war - passiert! Hier leider irgendwie zu oft. Was habe ich in der Sprachschule gelernt: Frage einen Chilenen immer dreimal nach der gleichen Sache. Wenn du Glück hast und er dir zweimal dieselbe Antwort gibt, ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass sie sogar richtig ist!

 Ui, muss los, meine ID-Card ist fertig. Blogge nachher weiter.

12.8.10 18:52


Verloren im Dschungel der Kurswahl

Wie gerne man manchmal doch an einer Privatuni in Deutschland studiert. Jedenfalls, wenn man sich einige Nervenzusammenbrüche ersparen möchte und nicht den allergrößten Wert auf Selbstbestimmung bei seiner Kurswahl legt.

Nachdem ich den Montag ja kränkelnd auf der Couch verbracht habe, bin ich am Dienstag voller Elan um 8 Uhr morgens in das Geschehen gestartet, um mir möglichst viele Kurse anzusehen. Der erste positive Eindruck entstand dann durch den Professor des International Economics Kurses (immerhin auf Englisch, aber zu unmöglichen Uhrzeiten!), der sich einfach mal dachte: Nicht kommen ist auch okay!

So hatte ich dann Zeit, mich vor die riesige Wand mit 25 verschiedenen Seiten voller Kurse für BWL zu stellen und das erste Mal an diesem Tag zu resignieren! Viele gute Kurse, einige die mich wirklich interessieren, aber Uhrzeiten die einen umbringen. Es gibt hier sowohl Kurse für die Tagstundenten und Kurse für die berufsintegrierten Abendstudenten (die sind dann 2x pro Woche abends von 19-22 Uhr, schrecklich!). Die Abendkurse haben aber dann den Vorteil, dass sie nur bis Anfang Oktober laufen. Die Tagkurse sind dann bis zu 3x in der Woche, überschneiden sich generell alle oder erlauben einen Stundenplan, der mich 5 Tage in der Uni sitzen lässt - no way, dachte ich mir.

So habe ich mich dann an diesem Tag noch durch 3 weitere Kurse gekämpft und einen sogar fest gewählt, weil ich ähnliche Themen schon in Deutschland gemacht hatte, es ein Kurs voller Intercambios ist und der Professor echt gut ist. Schreibe am Mittwoch gleich meinen ersten Test, juhuu! Der zweite Kurs Cultura y Sociedad ist insoweit interessant, dass er nur einmal in der Woche ist und man viel über die Entwicklung von Chile im Vergleich zu anderen Ländern lernt - heißt aber: viel lesen, reden und schreiben. Dinge, die mir immer noch sehr schwer fallen, weil Chilenisch eben kein Spanisch ist und mein Vokabular immer noch sehr gering! Habe mich dann auch noch für einen Fitnesskurs eingetragen, von dem ich aber stundenplantechnisch nicht sagen kann, ob ich teilnehmen kann. Tennis war bis zu diesem Tagesstand unmöglich!

Am nächsten Tag habe ich mir dann Personal angesehen, war aber relativ müde, weil wir am Abend vorher mal wieder einen Abschied in der Piojera gefeiert haben. Personal hat mir in Deutschland schon nicht gefallen und hier erst recht nicht. Habe es mal als Notkurs in meinen Stundenplan aufgenommen, werde es aber hoffentlich abgeben können.

Abends habe ich mir dafür dann ein bisschen Erholung (okay, dieses Mal ein bisschen viel Erholung!) bei Miércoles Po gegönnt, nachdem es vorher im Wohnheim anlässlich zweier Geburtstag Sahnetorte gab. So bin ich am Donnerstag dementsprechen noch eine Stufe müder zu meiner Kurswahl getippelt, die aber in 5 Minuten vorbei war, weil ich ja 2 Tage permanent vor der Kursliste gestanden habe, um es so zu legen, dass mein Freitag frei ist und der Donnerstag nach Möglichkeit auch ab Oktober. Daher habe ich für dienstags und donnerstags einen Abendkurs belegt. Den habe ich dann nach einem Mittagsschlaf auch gleich mal besucht, musste aber feststellen, dass er irgendwo in der Kategorie "unglaublich schwer in flascher Sprache" liegt. Der Professor hat leider auch so gutes Chilenisch ausgepackt, dass ich gar nicht verstanden habe (bei den Studenten habe ich es schon aufgegeben!). Mist!!!

Das Ende vom Lied ist, dass ich hoffe, dass mir mein letzter gewählter, aber noch unbesuchter Kurs, nachher so gut gefällt, dass ich Personal nicht machen muss und mir dann ab Mittwoch noch einen Abendkurs in Finanzmathe anschauen kann (der war noch nicht!) und diesen dann gegen meinen anderen Abendkurs (übrigens Internationale Finanzen) tauschen kann. Das wäre dann zwar Mittwoch und Freitag am Abend, wo hier am meisten los ist, aber in den sauren Apfel müsste ich dann bis Oktober eben mal beißen! 

Habt ihr das vestanden? Nein? Ich auch noch nicht so recht...habe dann heute noch meinen Sprachtest, so dass ich eigtl. auch noch 3 Std. Spanischkurs am Abend in meinen Plan bringen muss, zudem eigtl. gerne Tennis spielen würde mit der Uni, was plantechnisch auch nicht gut klappt, weil der Tennisclub eine Stunde von der Uni weg ist etc.

Daher hoffe ich so sehr, dass der Kurs nachher mir zusagt. Tut er das nicht, muss ich wohl oder übel in einem Kurs bleiben, der mir nicht gefällt bzw. den ich nicht verstehe. Weil ich kann leider nicht noch eine Woche munter durch Kurse wechseln, weil ja bereits diese Woche schon kleine Tests geschrieben werden.

Das Prüfungssystem ist hier so angelegt, dass man immer wieder kleine Tests schreibt, 2-3 Zwischenprüfungen und eine Endprüfung hat (manchmal auch Paper, Präsentationen etc.). Hat man jetzt aber eine Note über 70% in Tests und Zwischenprüfungen erreicht, muss man nicht zur Endprüfung antreten (Kurs ist mit 60% bestanden), was mein Ziel ist, weil ich dann den ganzen Dezember reisen könnte. Das heißt aber auch, dass das ganze Semester eine einzige Arbeit wird...

Keine Ahnung, was ich davon halten soll, weil ich im Moment mit meiner unfertigen Kurswahl noch dermaßen in der Luft hänge, dass ich mich nicht über einen geregelten Ablauf freuen kann - habe ja keinen. Und mit Spanisch und Sport ist die Woche dann so voll, ach herrje. Ein kleiner Berg, der sich vor mir auftürmt!

Freitag war ja, Gott sei Dank, nach meinem bisherigen Plan frei. Wollte daher meine ID-Card abholen, was allerdings nicht funktioniert hat. Musste nochmal alle meine Fingerabdrücke abgeben und soll nächste Woche wiederkommen - aha. Also doch kein großes Lob für chilenische Behörden! Abends war ich dann kurz in einer Metrostation bei einem Breakdance-Battle, um danach in einem koreanischen Restaurant den Abschied eines Mitbewohners zu feiern, der aus München kommt, aber in Korea geboren wurde. Absolut interessantes Essen muss ich sagen. Reis und Fleisch (das in einer riesigen Pfanne gebraten und in Soße eingelegt wird) in ein Salatblatt und das dann wie einen Veggieburger essen - spaßig! Danach bin ich aber nach Hause, weil mein Fuß sich wieder bei mir gemeldet hat, nachdem er zwei Wochen friedlich war.

Am Wochenende wollte ich nach der unbefriedigenden Uni-Woche einfach mal ein bisschen raus. Jedenfalls "wollte" ich das. Doch hat mir die Entzündung im Fuß am Samstag so zu schaffen gemacht, dass ich nicht laufen konnte. Wirklich - es ging nicht! Nach einer dicken Schicht Salbe (unser Wohnheim ist eine Ware Börse bei solchen Mitteln) und zwei Schmerztabletten habe ich dann eben nur gesessen. Mittags bin ich dann mal kurz aufgestanden und plötzlich war kein Schmerz mehr da. Ich verstehe nicht so ganz, was ich jetzt habe, weiß aber, dass ich mir eine Bandage zum Laufen kaufe. Und zum Arzt gehe, wenn es wiederkommt - versprochen!!!

Da es abends so weit gut war, wollte ich mich mit einem Sprachschulfreund (Frank) treffen, um zum chilenischen Staatsorchester zu gehen, welches an dem Abend Filmmusik gespielt hat. Glücklicherweise waren alle Karten ausverkauft, so dass wir uns dann entschlossen haben, zu Hause zu kochen (Zutaten finden in chilenischen Supermärkten ist ein Chaos, es gibt grundsätzlich nichts, was man in Deutschland zum Essen kochen benutzt...^^) und ein bisschen Karten zu spielen. Jetzt kenne ich wenigstens die Regeln von Rommé und Skat. Die Ausführung leidet noch etwas unter Unverständnis...

Gestern habe ich dann endlich mal so etwas wie gelernt (naja, Selbstbetrug!), um dann nachmittags zum Pferderennen zu gehen. Warum macht man so etwas in Deutschland nie? Jedenfalls gibt es hier in der Stadt ein riesiges Gelände mit Freizeitpark, Pferderennbahn, Motortruck-blah und Zirkus (momentan sogar Cirque du Soleil ). Richtig gut. Werden noch einiges ausprobieren, schätze ich! 

Abends haben wir dann noch in den Geburtstag von Peter (Sprachschule) reingefeiert. Da wir alle sooo müde waren, sah es fast wie Zwang aus, bis 0 Uhr zu warten. Sogar das Geburtstagskind wollte um halb zwölf nach Hause gehen...diese jungen Leute.

So, und jetzt muss ich mich beeilen! Anziehen, kochen, Geld fürs Zimmer bezahlen (immerhin habe ich gestern meine Übeweisung mal bekommen, nichts mit "am 1. ist die Miete fällig" und dann in die Uni (Gott, bitte lass den Kurs gut sein!) und zum Sprachtest.

Drückt mir bitte weiterhin die Däumchen!

 

9.8.10 17:24


Kurzes Update

Hallo meine Lieben,

um zu sagen, dass ich noch lebe, habe ich mal den Link zu meinen Bildern eingefügt. Hoffe, dass ich in der nächsten Zeit noch ein bisschen was dazufügen kann. Morgen kommt dann mal wieder ein Wochenbericht über die unendlichen Weiten einer Kurswahl an chilenischen Unis. So viel: Ich bin seit einer Woche beschäftigt und immer noch nicht fertig - ist doch was.

Meine ID-Card habe ich auf Grund chilenischer Gründlichkeit auch noch nicht. Kommt ebenfalls morgen

Heute Abend gehe ich zu einem Sinfonieorchester, dass Filmmusik aus Harry Potter, Star Wars, Star Trek, Ben Hur, E.T., West Side Story und was weiß ich alles spielt - genau mein Ding!

Falls ihr noch ein paar mehr Fotos sehen wollt (auch 2-3 mit mir drauf), dann guckt doch mal bei meinem Mitstreiter Peter vorbei: http://picasaweb.google.com/102094194374943083565

Bis morgen <3

7.8.10 22:03


Behördengänge, Unistart und Vorteile einer Gringa

Nachdem ich jetzt schon fast eine Woche kein Lebenszeichen mehr gebloggt habe und morgen früh kein fester Termin (außer der mit der Apotheke) ansteht, nehme ich mir mal wieder ein wenig Zeit um die ganzen Dinge der letzten Woche festzuhalten. Der Eintrag könnte daher etwas länger ausfallen.

Am letzten Dienstag war es endlich so weit: Ich konnte meine chilenische ID-Card beantragen. Die Aufregung wich allerdings ziemlich schnell einer Verunsicherung, da ich es nicht einmal bis in den von der Uni organisierten Bus geschafft habe :D der Stempel mit meinem Einreisedatum von Chile ist leider nicht eindeutig lesbar, so dass ich (laut Aussage der Studienbetreuung) keine Genehmigung für eine ID-Card bekommen hätte. Auch meine anderen 3000 Zettel, die mit Stempel bestätigen, dass der 17. Juli mein Einreisedatum ist, hätten mir nicht viel geholfen. 

Also wurde ich mit einer kleinen Gruppe ausgemustert und durfte eine Sondertour durchlaufen. Das Wort Sondertour baute sich vor meinem inneren Auge zu einer riesigen Zeitspanne auf - immerhin musste ich zu chilenischen Behörden, bei denen man sich ja nicht mal sicher sein kann, ob überhaupt gerade jmd. arbeitet

Jedenfalls durfte ich nun 4 statt nur 2 Behörden abklappern. Zuerst ging es zur internationalen Polizei, die nichts Anderes getan hat, als eine Stunde zu brauchen, um sich die Einreise von 9 Studenten nach Chile vom Flughafen bestätigen zu lassen. Prima! Danach ging es zu einer weiteren Polizeistelle, deren Name irgendwie nicht viel über die Tätigkeit aussagt. Jedenfalls wurde uns hier ein "Reisedokument" ausgestellt, dass offiziell bestätigt, an welchem Tag wer eingereist ist.

An der dritten Stelle angekommen, wurde jedem eine Urkunde zur Überprüfung der Gültigkeit des Visums ausgestellt. Hier habe ich auch mein erstes richtig hässliches Foto bekommen danach wurde der ganze Papierkram einmal schnell kopiert, um dann endlich zur eigentlichen Antragsstelle für das "Cédula Extranjero" gehen zu dürfen.

Man muss natürlich sagen, dass diese ganzen Ämter über die halbe Stadt verstreut sind und man mit laufen und warten eine ganze Zeit verbringen kann. Warten gehört hier immer noch nicht zu meinen Stärken - leider! Jedenfalls waren so schon 4 Std. ins Land gegangen. Jedoch hat die Hälfte der Gruppe mit "problemlosen" Stempel noch in der Wartehalle gesessen, da in einer Stunde nur ca. 20 Leute "abgefertigt" werden konnten. Da man hier in Chile für alles eine Nummer ziehen muss (ja, so stelle ich es mir beim Arbeitsamt vor, sorry), sogar um in der Drogerie an die Kasse zu dürfen (!), konnte ich aus meiner Kundennummer ersehen, dass ich noch mind. 3 Stunden auf meine Antragsstellung warten durfte. Gott sei Dank haben vor mir einige Leute die Nerven verloren und das warten aufgegeben, so dass ich am Ende NUR 2 Std. mit warten verbracht habe. Dann endlich habe ich mein zweites hässliches Foto bekommen und habe brav Abdrücke von allen 10 Fingern gegeben. Hübsche Sauerei! Nach 6 1/2 Std. war ich dann endlich so etwas wie frei!

Jetzt muss ich zur Behördenverteidigung sagen, dass man seine beantragten Sachen wesentlich schneller erhält als in Deutschland. Meine Karte hole ich jetzt am Freitag schon ab. Ein Perso in 1 1/2 Wochen - undenkbar.

Abends wollten wir uns dann mit einer kleinen Feier belohnen. D.h., dass sich der Großteil der Intercambios abends zuerst in der legendären "Piojera" treffen wollte, um danach noch Carrete (so heißt hier Fiesta oder Besäufnis) zu machen. Die Piojera ist eine ranzige Hinterhofbar mit unvorstellbar betrunkenen Chilenen und auch ein paar Ausländern. Ein ziemlich gefährliches Pflaster, das man am besten möglichst unauffällig bekleidet und mit allen Wertgegenständen in den Hosentaschen betritt. Das Entscheidende hier ist aber die Getränkeliste: Terremoto und Maremoto (Erd- und Seebeben) - zwei ebenfalls typisch chilenische Getränke. Manche Leute rühmen sich, dass sie 3 trinken können, was 1 1/2 Litern entspricht also ganz ehrlich, ich hätte nicht mal einen Becher überlebt. Bestehen tut das Ganze aus Fernet, Wein und einer Kugel Ananaseis. Beim Maremoto kommt noch Minze dazu. Grausamer Kopfdreher! Da die Bar relativ früh schließt, wurde danach der Weg zu einer Karaokebar eingeschlagen. Da ich aber einfach nur müde war, bin ich relativ früh nach Hause gefahren.

Donnerstag und Freitag waren dann die Einführungstage von meiner Uni. Weil ich am Mittwoch natürlich mal wieder zu Miercoles Po' gehen musste, hatte ich recht wenig geschlafen und habe einige Vorträge am Donnerstag in der Uni einfach verschlafen die Einführung war auf einem Campus außerhalb von Santiago, d.h. ca. 30 Min. zusätzliche Anreise mit dem Bus in die Berge. Ich bin froh, dass mein Campus in der Innenstadt ist! Tja, ich dachte, dass es in Santiago selbst kalt ist, aber es ist kein Vergleich dazu, was man erlebt, wenn man noch ein paar Meter höher fährt. Meine Füße habe ich erst wieder gespürt, als ich abends im Bett lag. 

Programmpunkte Donnerstag: Fotos für Stundentenausweis und Gruppenfoto, Einführungsvideo der Uni, Video über Sehenswürdigkeiten in Chile (verschlafen), Mittagessen, einstündiger Vortrag über Chile (verschlafen), seltsame Videos über Machu Pichú (wer einmal wirklich schlechte Musik hören will, der suche "Los Jaivas" auf YouTube) und 2 Stunden Kennlernspiele, die sogar gewärmt haben und spaßig waren!

Abends habe ich mich dann noch völlig übermüdet mit den Sprachschulleuten ins Kino geschleppt. Ein Animationsfilm auf Spanisch, den ich nach der Hälfte sogar fast problemlos verfolgen konnte. Gott sei Dank musste ich Freitag erst etwas später raus.

Am zweiten Einführungstag haben wir unsere Tutoren kennengelernt, die für die Koordination unserer Kurse etc. zuständig sind. Meine Kurswahl steht erst am Donnerstag an, obwohl bereits heute die Vorlesungen beginnen. Leider kann ich auch nirgends einsehen, an welchen Tagen welche Kurse liegen. Ich befürchte, dass ich am Ende jeden Tag Uni habe und das mit dem Reisen gepflegt vergessen kann. Habe zwar nur 4 Kurse, doch finden diese alle 2-3x in der Woche statt und dass bis zu 3 Std. pro Vorlesung. Alles ziemlich unmöglich und kompliziert! André, ein Freund von meiner Frankfurter Uni, hat mir gerade seine Wahl durchgegeben. Die bestätigt ziemlich genau alles, was ich befürchte...Vorlesung bis 22.15 Uhr am Freitag und solche Schreckensnachrichten. Also ich möchte schon wenigstens Montag oder Freitag frei haben. Muss mich also mal überraschen lassen.

Nach dem Mittagessen haben wir dann die Bibliothek und die Sportmöglichkeiten kennengelernt. Werde mich am Mittwoch dann für Tennis einschreiben, wenn das irgendwie an meinen Vorlesungen vorbeigeht

Freitag Abend war dann in unserem Wohnheim zusammen mit ein paar Austauschstundenten meiner Uni erstmal grillen angesagt und um 1 Uhr sind wir dann auch mal in einen Club losgezogen (zu Hause denke ich um diese Uhrzeit schon das erste Mal über heimgehen nach, ts. Jedenfalls bin ich wieder wesentlich früher als die anderen gegangen, weil ich es einfach nicht bis 6 Uhr morgens aushalte. Habe dafür schon um 5 Uhr mein Bett getroffen. Bin am Samstag trotzdem erst seeehr spät aufgestanden, weil ich schon freitags gemerkt habe, dass mich die unheimliche Kälte in den Bergen langsam kränkeln lässt. Habe dann außer Einkaufen (Essen, Spiegel und 2 Ordnungssysteme) nicht mehr viel geschafft, bevor ich mich abends mal wieder mit den Sprachschulleuten getroffen habe, um dann wieder erst um 1 Uhr loszugehen. War ein lustiger Abend, da wir einen Club gefunden haben, in dem wir als Gringos enttarnt wurden (okay, nicht wirklich schwer ^^) und deswegen kostenlos und mit VIP-Eingang reinkonnten. Das ist wirklich das Gute hier: du musst einfach nichts für den Eintritt zahlen, wenn du eine ausländische Frau bist, hihi. Und wenn ich jetzt immer überall von dem Rest reinkomme, soll es mir auch recht sein.

Gestern ging es mir allerdings wirklich nicht mehr gut. Halsschmerzen und schlapp. Mittags waren wir dann auf einem Mercado. Das heißt, ein ganzes Viertel voller Fabrikhallen, in denen meterhoch gestapelt, Kleidung, Schuhe, Möbel, Fahrräder, Brillen, jeglicher Elektronikkram etc. blah blah verkauft wird, wirklich alles und das zu geringsten Preisen! Leider hat es den ganzen Tag geregnet und überall durchgezogen, so dass ich wieder zu einem Eisklumpen erstarrt bin. Haben danach noch Spiele für einen Spieleabend gekauft, in einem riesigen FoodCourt gegessen und sind dann zu einem Sprachschulfreund nach Hause, um zu gambeln Leider waren wir alle nicht so taufrisch und sind sehr schnell mit tausend Decken vor dem Fernseher gelandet, weil dieser riesige Raum wirklich null Heizung hatte.

Heute habe ich als Konsequenz über 10 Stunden geschlafen und sitze jetzt schon den ganzen Tag im Wohnheim und kränkel brav vor mich hin. Meine Nase läuft für zwei, der Kopf ist extrem dick, meine Untätigkeit nervt mich, weil alle in die Uni gehen können, nur ich nicht, weil ich einfach nicht weiß wann...es wäre jetzt gerade irgendwie toll, wenn jmd. hier wäre, der mich ein bisschen betüttelt. Stattdessen koche ich mir mal eine Krankensuppe und warte, dass irgendwas passiert. 

Drückt mir die Daumen, dass am Donnerstag alles gut geht mit der Kurswahl und ich Fächer finde, die mir Spaß machen und zu vernünftigen Zeiten liegen! 

2.8.10 06:45


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