Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren

   Fotos :D


http://myblog.de/paulita-in-chile

Gratis bloggen bei
myblog.de





Ushuaia, die Zweite und der Hammer von einem Gletscher

So liebste Mitfröstler,

hier kommt also der zweite kalte Bericht aus Patagonien.
Erstmal zum Nationalpark Tierra del Fuego in Ushuaia, den wir uns als kleines Wanderziel für den zweiten Tag ausgesucht hatten. Wetter war patagonisch bewoelkt und windig wie immer, aber die Wanderung am Beagle-Kanal entlang war wunderschön. Bisschen hoch und runter, an hundert Buchten vorbeigekommen und schließlich so südlich gewesen, dass es weiter wohl wirklich nicht mehr ging. Bisschen durchgefroren und auch gut kaputt, haben wir uns dann abends auf dem Heim weg in unseren 8er Dorm begegeb - yeah! Wanderung hat gut getan und ich konnte viel meinen Gedanken nachhängen, wo nach einem halben Jahr dann erstaunlich viel rumspukt: natürlich hauptsächlich Schnitzel mit Pommes...
Fahrt nach Calafate ging um 5 Uhr morgens los und war entsprechend anstrengend, da wir zweimal über die Grenze mussten, in Chile mal wieder alles abgegeben haben und so lange ohne wirkliches Essen unterwegs waren (insgesamt 21 Stunden) plus keine Frischluftzufuhr möglich...bei 30 Leuten und 12 Stunden in einem Bus unschön. Dann mussten wir noch 4 Stunden auf den Umsteigebus warten und sind mitten in der Nacht noch zweimal zur Polizeikontrolle gekommen. Um 2 Uhr habe ich dann auch mal mein Bett gefunden. Dafür hat der Gletscher Perito Moreno am nächsten Morgen alles geschlagen, was man sehen kann. Ein Wahnsinn dieses blau von diesem Eis, die Blöcke, die abbrechen und der gewaltige Lärm, der dabei entsteht. Im Boot sind wir sogar bis auf 250m rangekommen - wow! Die Bilder sind wirklich der Oberhammer!
Dabei schien den ganzen Tag die Sonne, aber leider hat es richtig gestürmt, was beim Laufen echt anstrengend war. Irgendwie ist durch den Wind auch die Wasserleitung nach Calafate kaputt gegangen (wo auch immer die hier ihre Leitungen bauen) und wir saßen einen Abend FAST trocken, juhu.
Am nächsten Tag ging es gleich weiter nach Puerto Natales (wieder zurück nach Chile!!!!!!!!!!!!!!!!) - ein Bus, oh Wunder. Busfahrt selbst war wieder was für Geduldige, weil wir mit 1 1/2 Stunden Verspätung losgekommen sind, zwischendurch ein paar hundert Mal gehalten haben und schließlich wegen eines Streiks nicht weiterkamen. Gott sei Dank bin ich aber doch wieder in Chile und den argentinischer klauen entkommen.

Das war es so weit vom nächsten Reiseteil. Torres del Paine, den wir heute besichtigt haben, gibt es nach der nächsten Maus.

Gute Nacht <3
16.12.10 04:15


Werbung


Der ganz normale patagonische Wahnsinn

Meine Lieben,
jetzt bin ich schon eine Woche hier im wohl aufregendsten Teil von Chile und Argentinien unterwegs und habe immer noch nichts von mir hören lassen.
Aber die Eindrücke schießen hier wie blöd auf einen ein und unsere Hammer-10-Tages-Tour schlaucht inzwischen auch ein bisschen an den Kraftreserven, die so angesammelt wurden.
Zumindest kurz möchte ich die ersten paar Stationen anreißen, die wir hatten. Da es wirklich viel Arbeit wäre, alles nochmal nachzuschreiben, kopiere ich einfach E-Mail-Teile, die ich schon einigen Leuten nach Hause geschrieben habe...
Letzten Dienstag ging es schon früh los nach Punta Arenas, der südlichsten Großstadt der Welt (Großstadt ist hier wichtig!), wo wir uns gleich einen Rundgang gegönnt haben, der aber eher schnell zu Ende war (ich denke, dass Obertshausen wesentlich größer ist als die "Großstadt") und bei einem Spaziergang am Pazifik endete. Der viele Wind, der so typisch für Patagonien ist, hat uns aber doch recht schnell in die Federn gehauen, weil wir am nächsten Tag raus auf die Isla Magdalena zu den 120.000 Pinguinen wollten - kein Witz.

Über die Pinguine würde ich jetzt wahrscheinlich gar nicht fertig werden, deswegen werde ich das dann anhand von Bildern zu Hause gerne nochmal lebhaft erklären. Es ist unvorstellbar, eine ganze Insel übersät von Löchern, Pinguinpärchen und ihren Jungen, der totale Wahnsinn. Die Mehrheit ist natürlich sehr scheu und watschelt munter vor einem davon. Einen jungen Freund haben wir dann doch getroffen, der große Freude am Probieren unserer Schwimmwesten und Hosen hatte und mir vor lauter Überschwänglichkeit kräftig ins Knie gebissen hat – autsch!
Die Rückfahrt sollte sich jedoch etwas anders gestalten als geplant =/ statt nach 1 ½ Stunden Rundgang wieder mit dem Schiff abzulegen, lagen wir wegen der extremen Ebbe seitlich auf Grund, weswegen das ganze Schiff einen unangenehmen Winkel hatte und eher wie gekentert aussah! Gott sei Dank ließ die Flut auch nur 4 (!) Stunden auf sich warten, so dass wir dann um halb elf abends mit voller Motorendröhnung Richtung Hafen gedüst sind. Dank des Wellengangs bekam ich ein so wohliges Gefühl, dass ich die restlichen 2 Stunden Fahrt an Deck in eisiger Kälte verbringen musste und keinen Schritt ins Schiffsinnere wagen konnte. Aber hey, die Pinguine sind das voll und ganz wert!

Am Donnerstag haben wir uns dann auf den Weg nach Ushuaia gemacht, was bis Rio Grande in Argentinien auch alles planmäßig und reibungslos verlief. Das mit dem fehlenden Zettel für meine Ausreise (Reisen in der EU ist soooo angenehm - ich habe hier für die Grenzübegänge jetzt wirklich schon 1.000 mal geschrieben, wer ich bin, was ich will und wohin ich gehe!) interessierte irgendwie niemanden und ich bin munter und fröhlich mit 10 anderen Zetteln ausgereist. Unser Bus war bei knapp 40 Plätzen immerhin nur von 10 Mann belegt
Das Abenteuer begann auf der Passüberquerung ins Tal von Ushuaia. Man sollte ja meinen, dass sogar in Patagonien bekannt ist, dass im Dezember auf der Südhalbkugel Sommer ist. Irgendwie dachte sich das Wetter aber, ein paar Reisenden das Leben schwer machen zu müssen und entschied sich kurz vor dem Pass für Schneefall. Das bedeutete die ersten 1 ½ Stunden bei eisiger Kälte im Bus (inzwischen zu einem Kleintransporter gewechselt!) warten, weil am Berg mehrere LKW’s ineinander gefahren waren bzw. quer standen. Ein wenig höher am Berg war von dem anfänglichen Schneefall nicht mehr viel zu sehen, stattdessen stellte sich lieber ein ordentlicher Schneesturm ein, der uns an einer zweiten Stelle eine weitere Stunden warten ließ! In der nächsten Zeit haben wir uns dann über spiegelglatte Fahrbahn an liegengebliebenen Fahrzeugen vorbeigekämpft, neben uns der Abgrund ins weiße Nichts oder ein halber Meter Schnee und wir unterwegs auf Sommerreifen. Unser einziges Glück, dass wir jetzt wahrscheinlich noch leben UND angekommen sind, war das Gewicht unserer Truppe im Bus, so dass wir schwer genug waren, um vorwärts zu kommen. Ob der Busfahrer jemals durch Schnee gefahren ist, bezweifle ich, hat er doch beim Heckausbruch seines Gefährts weiter munter Gas gegeben und André und mich in helle Aufregung versetzt…wir schienen irgendwie die einzigen Menschen an Bord zu sein, die schon einmal Eisglätte erlebt haben!

Da noch ein paar Menschen einen Flug in Ushuaia bekommen mussten, ist er dann, sobald der Schnee dem Matsch gewichen war, mit über 100 den Berg runter gebrettert und siehe da, Ushuaia begrüßte uns mit Sonnenschein. Verrückt dieses Patagonien!
So viel gewartet und Unglaubliches erlebt, wie in den ersten beiden Tagen habe ich selten! Ushuaia ist eine wunderbare Stadt und endlich kam die Weihnachtsstimmung! Aber wahrscheinlich nur, weil es wirklich erbärmlich kalt war, der Himmel patagonisch verhangen und ich bis zur Wade im Schnee gestanden habe.
Sind nämlich zum Glaciar Martial hinter Ushuaia gewandert, um dort die Aussicht zu genießen. Dem anfänglichen Wind folgte die Sonne, ein Schneesturm, wieder Wind und so weiter...recht heiter. Besonders gut war dann auch, dass der Weg nass und rutschig war und überhaupt nicht steil (keine Ahnung, wie meine Waden mich da überhaupt hochstemmen konnten!). Nervlich war ich wirklich am Ende, als wir oben waren, weil es gezogen hat wie sonstwas und wir die ganze Zeit von einem Hund besonderer Güte begleitet worden sind. Nicht, dass ich mich irgendwie unwohl in der Gegenwart von Hunden fühle, aber dieses Exemplar ist uns beim Aufstieg ständig zwischen die Beine gelaufen und hat jedes Mal aus Leibeskräften gebellt, wenn wir auch nur an Stehenbleiben gedacht haben. Irgendwie hat ihn auch kein anderer Wanderer interessiert - Mierda! Ich denke, deswegen waren meine Knie doppelt so weich und mein Herz doppelt so laut wie normal. Ein paar Fotos ohne bellenden Hund haben wir dann doch hinbekommen. Der Geltscher selbst war auch vollkommen für die Füße, aber die Aussicht auf Ushuaia der Hammer. Für mich war auch eigtl. nur wichtig, dass ich da wirklich hochgekommen bin (runter sogar auch zu Fuß und nicht auf dem Po!). Nach einem Powerschlaf im Hostel haben wir dann nochmal einen längeren Spaziergang zur anderen Seite von Ushuaia gemacht, um im Abendlicht ein paar gute Blicke zu haben.

Den zweiten Tag in Ushuaia mit unserem Besuch im Nationalpark Tierra del Fuego, der Fahrt nach El Calafate (aaaaaaaah!) und der Gletscherbesuch Perito Moreno (geile Scheiße!) kommen die Tage.

Frostigen Kuss an alle.
14.12.10 01:52


Das Ende naht...

Wo ich gerade vom letzten Eis essen mit ein paar meiner Wohnheim-Mädels zurückkomme (zur Feier meiner einzigen und letzten Klausur!), zwischen halbgepackten Sachen sitze und heute Abend hier meinen Abschied im Haus feiere, dachte ich mir, es wäre Zeit mal wieder ein paar Worte in die Heimat zu senden.

Bevor ich jedoch das große Geschehen der nächsten und paar vergangenen Tage beleuchte, möchte ich noch schnell die paar Bilder von der Reise nach La Serena beschreiben :D

Ein eher spontanes Unterfangen trieb also Simon, Frank und mich für 3 1/2 Tage in den Norden, um uns ein bisschen die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen und dabei noch ein paar Touri-Touren zu unternehmen. Hatten uns dieses Mal in einem deutsch geführten Hostel eingemietet, was man auch sofort gesehen hat. Partycharakter = 0, Durchschnittsalter 50 und mehr, vorwiegende Sprache deutsch. Wirklich gejuckt hat es uns bei unserem eher chilligen Unterfangen wohl (hoffentlich?) nicht. 

Die erste Reise führte uns fast direkt nach unserer Ankunft (es lebe der Nachtbus!) Richtung Isla Choros und Isla Damas, ein Naturschutzreservat in ca. 150km Entfernung von La Serena, das nur mit Boot zu erreichen ist. Nach 1 1/2 Stunden Fahrt durch Kakteenwälder sind die 15 Personen unserer Gruppe als in eine Nussschale höchster Güte verfrachtet worden, um in der folgenden Zeit dem nicht geringen Wellengang des eiskalten Pazifiks zu trotzen. Dabei war uns eine Plastikplane, die auf der einen Seite des Bootes von menschlichen Stützen gehalten wurden, mehr oder weniger als Schutz vor den Wellen behilflich. Das Einzige, was die Fahrt nicht wirklich gut überstanden hat, war meine Blase :D Wer mehr dazu wissen möchte, wie es sich anfühlt mit anderen Menschen auf engstem Raum zu sitzen und als einzigen Ausweg das Meer zu haben, der darf mich bei Gelegenheit nach dem Ausgang des Abenteuers fragen.

An der Insel entlangfahrend konnten wird also Seelöwen, einheimische Vogelarten und (natürlich das Beste!) Pinguine beobachten, juhuuuu. Das sind wirklich putzige Freunde, kann ich euch sagen. In ein paar Höhlen und enge Passagen sind wir dann auch noch reingeschifft, wobei meine einzige Sorge die war, nicht irgendwann an der Klippe zu kleben!

Wenig später sind wir dann auch auf der Isla Damas angekommen, wo man aussteigen kann und einen kleinen Rundweg durch die Dünen machen kann. Wenn das Wasser nicht so widerlich kalt gewesen wäre, hätte man bestimmt auch eine kleine Strandminute einlegen können! Ein gelungener Tag, der jedoch leider wettertechnisch eher traurig war, da die Küste in Chile meistens wolkenverhangen ist.

Dafür punktete der nächste Tag mit umso mehr Sonnenschein und Hitze im Valle del Elqui, auch eine Heimatstätte des Pisco. Nach kurzen Stops an einem wirklich schönen Stausee und einer Papaya-Fabrik sind wir schließlich in einem kleinen Örtchen namens Vicuña ausgestiegen und haben uns im nahen Park ein schönes Eis gegönnt. Mittagessen gab es dann in einem Restaurant, in dem ausschließlich mit Solaröfen gekocht wird, da es in dieser Region gerade 11x im Jahr regnet. Zwar braucht das Wasser unter den Glasscheiben doch mindesten 80 Min. bis es kocht, aber war die Erfahrung doch sehr interessant, weil es zudem doch recht lecker war! 

Das High-Light für die deutschen Schnapsnasen war natürlich die Besichtigung einer Pisco-Fabrik inkl. Verköstigung der wunderbaren 70% bzw. verkauften 35-40%...ich hoffe, dass ich einige von euch mit dieser Göttergabe bekannt machen kann :D

Der letzte Tag stand ganz im Zeichen des Strandes! Nach einem kleinen Stadtrundgang (immerhin!) haben wir dann den direkten Weg zum Stand genommen und dort den einen Teil liegend auf unserer erworbenen Luftmatratze, den anderen Teil (leider!) marschierend am Wasser verbracht. Jungs, ich möchte nochmal betonen, dass ich keine 1,90m groß bin und deshalb auch keine Lust habe in 30Min. 4km zurückzulegen - cachai? :P Nach einer versöhnlichen Gute-Nacht-Speisung (und einem Pisco) konnte dann auch langsam meine Laune wieder zum Vorschein kommen. Damit mich auch keiner vergessen wird, habe ich zum Abschied mit meinem EMENZEN (für Christian <3) Gewicht noch einen Liegestuhl zerstören müssen, hehe!

Ja, so war das. Und jetzt soll ich morgen schon zu meiner letzten Reise aufbrechen, die mich dieses Mal mit André nach Patagonien führen wird. Ich werde in diesen 10 Tagen einige gewaltige Naturhighlights sehen...Pinguinkolonien, die südlichste Stadt, den südlichsten Ort und den südlichsten Hafen der Welt besuchen, 2 Nationalparks (einer davon der berühmte Torres del Paine) und den mit aktivsten Gletscher der Welt sehen. Und trotzdem bin ich untröstlich, weil ich weiß, dass damit meine Zeit hier endet - ich kann sagen: in meinem geliebten Chile.

Ich versuche immer zu erklären, dass es auf keinen Fall so ist, dass ich nicht mehr nach Hause möchte - im Gegenteil! Ich freue mich wahnsinnig auf alle Leute zu Hause, auf Vertrautes, lang Vermisstes und auch jetzt Ungewohntes...aber ich habe eine einmalige Chance in meinem Leben bekommen und kann sagen, dass ich sie voll und ganz für mich genutzt habe, eine ungekannte Freiheit und eine Selbstständigkeit genossen habe. Und natürlich wunderbare Menschen kennen gelernt, die mich auf meinem Weg begleitet haben und es auch hoffentlich in Zukunft tun werden. Deswegen sage ich hier und jetzt: Ich will nicht weg, ich fühle mich hier wohl und ich will die Zeit genießen, die ich noch habe und nicht über Abschied nachdenken! Das kann ich tun, wenn ich im Flugzeug sitze. Da kann ich, wie Jule gestern so schön sagte, die Wellen über mir zusammenbrechen lassen und mich dann voll und ganz auf zu Hause freuen! Es nützt nichts, zu versuchen, beides unter einen Hut zu bekommen - man muss Chile und Deutschland voneinander trennen, um beides genießen zu können. Deswegen: Ich bin JETZT gerne hier und ich gehe AM 22.12. gerne nach Hause - así!

Also gehe ich jetzt weiter meine Sachen für den Wind und die Kälte packen und gebe mir Mühe, euch dieses Mal immer kleine Tageseindrücke zu hinterlassen - Patagonien wird gigantisch!!!

Viel Liebe nach Hause. Ich freue mich auf euch <3

6.12.10 23:43


Was mache ich auch unter der Erde - in Chile?

Und vor allem: Wieso stehe ich so früh auf dafür - an einem Samstag? In der netten Begleitung von dreien meiner 32 Mitbewohner (Pauline, Emelie und Daniel) haben wir uns also frühestens auf den Weg gemacht, um die größte unterirdische Kupfermine El Teniente sowie die dazu gehörende Geister-Stadt Sewell zu besuchen.

Nach 2 Stunden Fahrt kamen wir also bei der ersten Station an, um unsere Sicherheitskleidung in Empfang zu nehmen, wahrscheinlich das spaßigste an der ganzen Reise. Ausgerüstet mit einer oragenen Warnweste, den dicksten und schwersten Stiefeln der Welt, einem Helm, einem Überlebensgürtel mit Licht, Sauerstoff und was weiß ich wie vielen Gewichten sind wir wieder zurück in den Bus geklettert, um die Welt der Mine zu erkunden. Allerdings habe ich beim Anziehen der Sachen wirklich nicht daran denken dürfen, wie viele Menschen vor mir schon diverse Körperflüssigkeiten in all den Sachen gelassen hatten :D Chile halt.

Die Fahrt danach war wenig schön, bedenkt man, dass wir durch eine Gegend gefahren sind, in der Dank der giftigen Stoffe, die durch die Minenarbeit in die Luft gelangen, die ganze Gegend nachhaltig zerstört haben und dass die seit 20 Jahren laufenden Begrünungsmaßnahmen eher ein Witz sind. Und plötzlich wurde es dunkel und wir waren drin. Huh...wie unspannend - leider.

Ein bisschen durch die Gänge irren, sich ausführlich erklären lassen, was wie abgebaut wird, um dann zu hören, dass wir nichts davon sehen werden aus Sicherheitsgründen. Geld zurück bitte? Wenigstens sind wir in einen Raumn gekommen, in dem ein riesiger Zerstör-Mix-Stampfer-Steine-Töter die zu großen Steine, die ununterbrochen einfließen, ja...kleinstampft. Dabei gibt es so viel Krach, Funken und alles ohne jegliche Sicherheitsvorkehrungen, das war cool. 

Damit endete unser Besuch aber auch schon wieder und 4 super enttäuschte Gesichter sind wieder in ihren Bus gestiegen, um das mittelprächtige Miner-Essen über sich ergehen zu lassen.

Sewell schließlich ist die ehemalige Stadt, in der die Miner gewohnt haben. Seit Jahren wohnt hier allerdings kein Mensch mehr, obwohl es Patrimonio Cultural de la Humanidad ist. Mir fällt gerade das deutsche Wort nicht ein. Jedenfalls sind die Häuser, die ähnlich wie Kasernen aussehen, den Hang hinauf gebaut und in allen erdenklichen Farben bemalt - sieht wirklich beeindruckend aus, wie es sich vor einem aufbaut, aber leider ist inzwischen alles ziemlich heruntergekommen, weil die chilenischen Restauerierungsarbeiten wahrscheinlich eher nur mit dem Mund ausgeführt werden. Durch den ständig schmilzenden und wieder neu hinzukommenden Schnee verottet eben alles munter vor sich hin. Die Stadtbesichtigung war auch eher mittelmäßig organisiert, aber hübsch wars.

Alles in allem haben wir mehr mit Fahren, Organisieren und Warten verbracht als mit der eigentlichen Exkursion - ich denke, an der Kürze meines Eintrages könnt ihr die Begeisterung spüren.

Lade jetzt noch die Bilder von La Serena hoch und hoffe, dass ich morgen mit einem Bericht darüber folgen kann.

Uni ist nämlich rum und ich habe unendlich viel Zeit, Dinge nachzuholen - so wie Blog schreiben. Dieses Mal auch wirklich, ehrlich, sicher.

 

Abrazo.

 

P.S.: Kadda, du kriegst morgen auch eine Antwort. Habe mich sehr über die Mail gefreut!

23.11.10 02:13


Über die Grenze und noch viel weiter...

Da ich mir ja eigtl. ziemlich sicher bin, dass sich niemand außer meiner Familie in und um Obertshausen diesen Blog zu Gemüte führt und meine Lust auch irgendwie erschöpft ist, habe ich mehr als einmal drüber nachgedacht, es sein zu lassen.

Aber so habe ich später wenigstens für mich ein paar Erinnerungen in schriftlicher Form und falls doch noch zufällig jmd. hier herumfällt (außer denen, die Spam als Gästebucheintrag hinterlassen), dann könnt ihr ja einfach mal schreien, dass ich weiß, für wen sich die Mühe lohnt.

 Tja, was bin ich euch eigtl. noch alles schuldig:

- Die Peter-Gedächtnis-Abschlussfahrt nach Mendoza

- Meine Minen-Tour

- La Serena

 Vllt. bekomme ich es ja hin, die ersten beiden heute Abend noch unterzukriegen. Los gehts:

Für eine gelungene und zugleich äußerst entspannte und völlig partyunlastige Peter-Gedächtnisfahrt nehme man den Stein des Anstoßes und zwei treue Begleiter in Form eines Frank und eines Simons mit sich und packe alle 4 abends um halb zwölf in einen argentinischen Reisebus. Einen Spielfilm in voller Lautstärke, Problemen mit der Temperaturreglung und dem ersten Anflug von Übernächtigung später findet man die Helden des Geschehens um halb zwei Uhr morgens bei einiger Kälte auf einem Bergpass wieder: Willkommen an der chilenisch-argentinischen Grenze. Nach einem für südamerkanische Verhältnisse sehr kurzem Schlange stehen (diesmal sogar ohne Nummern zu ziehen!) wird man von einem Grenzbeamten freundlich des Landes verwiesen, um dann am Nebenschreibtisch bei seinem Kollegen mit 1.000 Stempeln wieder einreisen zu dürfen. Für das Koffer aus dem Bus werfen, drin rumwühlen und uns wieder ziehen lassen, wird immerhin noch ein Trinkgeld verlangt. Ein paar holprige und in meinem Fall der tragischen Weib-Hauptrolle schlaflose Stunden gehen also noch ins Land, bevor wir Mendoza erreichen. Für das richtige Zuteilen der Koffer zu ihren Besitzern können wir ein weiteres Trinkgeld loswerden, um dann die letzten chilenischen Pesos in die noch dubioseren argentinischen zu wechseln. Kurze Zeit später werden wir auch schon zur großen Freude der einheimischen Taxifahrer, da wir prompt mit zwei Koffern, zwei Wanderrucksäcken und vier normalen Rucksäcken und ein Taxi ohne jeglichen Kofferraum steigen, ohne einzusehen, dass es bei dem mickrigen Fahrpreis lohnen würde zwei Taxen zu nehmen - Student bleibt Stundent!

Erfreulicherweise kam uns auch die Hostel-Check-In Zeit von 14 Uhr mittags so ungelegen, dass wir also morgens um 8 Uhr stillschweigend über unserem Continental-Bärchen-Müsli das erste Mal über die Sinnhaftigkeit unseres Unterfangens nachdachten. Doch der Weg war klar: Heute sollte die Wine & Bike Tour stattfinden...pase lo que pase (was auch immer passiert!). So wurde also der Kopf nicht auf den Tisch im Frühstückraum gebettet, sondern nach draußen an die frische Luft (oder eher den McDonald's Geruch von nebenan) bewegt, um sich auf die Suche nach dem Tourismus-Büro zu machen. Dank unserer oftmals geprüften Kartenlesegenie Simon war auch das kein Problem. Und dann fing der sprachliche Traum an: Nach der 15 Min. Ansprache des Tourismus-Beauftragten hat sich wohl jeder von uns (außer Peter, der lieber im Vorraum den Sessel mit geschlossenen Augen bemeditierte) gefragt, warum Argentinier so einfach zu verstehen sind, wenn man aus Chile kommt.

Wenige Irrungen und Wirrungen, eine verschlafene (lt. Aussage Mitreisender aber mörderische) Busfahrt und dem Verlust des Sonnenscheins später, saßen wir auch schon auf unseren Bikes, um den mendozanischen Vorort Maipú mit seinen Wein-, Schokoladen- und Schnaps-Gütern, Fabriken und Verkaufsständen kennen zu lernen. Das Ganze stellte sich als recht unterhaltsame Sache heraus, sind die Jungs doch schnell von Wein auf Absinth und ich von Marmelade auf Schokolade umgestiegen. Das einzig negative war das Radfahren an sich, habe ich mich doch nach wenigen Metern gefühlt als seien meine Beine schon 100km geradelt - ich schiebe es einfach mal auf die Tagesverfassung! Nur die zu befriedigenden Fleischgelüste der Männer konnten an diesem Tag noch nicht recht gestillt werden - dafür aber das allgemeine Schlafdefizit.

Tag Nummer 2 wurde mit Teil Nummer 2 der Stadtbesichtigung begonnen, wobei ich eindeutig sagen muss, dass die 3 Tage vor Ort mir mehr südamerikanisches Feeling gegeben haben als die 3 1/2 Monate vorher in Chile. Nicht nur, dass es hier eine 4 stündige Siesta, Straßencafés und GRÜNE Parkanlagen gibt, es sind auch einfach zahllose Menschen in den Abendstunden unterwegs, so dass nicht alles düster und ungemütlich wirkt. Das Highlight des Tages erwartete uns jedoch mittags in Form eine wirklich kleinen Argentiniers, der sich traute, uns auf das Abendteuer eines Paragliding-Flugs zu begleiten. Damit konnte ich hier nach dem Ski fahren schon Nr. 2 meiner Lebensträume abhaken! Leider konnten wir nicht alle zusammen in unser Verderben gleiten, sondern mussten uns in zwei Gruppen teilen, so dass Frank und ich zuerst dem Schicksal in die Augen sehen mussten. Vorher mussten wir allerdings noch lernen, was es heißt, einen Allrad-Wagen wirklich zu benötigen! Das einzig gute war, dass nicht ich am Fenster gesessen habe, sonst wären die Schluchten, die sich ca. 1mm neben dem Rad befanden, mein nervliches Ende gewesen. Oben angekommen, machte ich mich also auf eine Einweisung gefasst. Stattdessen wurde ich in eine schon hundertmal benutzte Ausrüstung gesteckt, an meinen Flugbegleiter angeschnallt und bekam eine einzige Anweisung: Cuando te digo "corre" corres y no te sientas! (Wenn ich dir sage renn, dann rennst du und setzt dich nicht!)...entzückend. Man meine jetzt bitte nicht, ich hätte dich Möglichkeit gehabt, irgendetwas zu fragen oder gar zu denken. CORRE!

Und so sind wir dann losgerannt auf den Abgrund und hinter mir rief es nur "RENN, RENN, RENN...und jetzt SPRING". Das wurde auch Zeit, denn hinter den ersten Büschen, die auf mich zukamen, war nicht mehr viel. Aber was soll ich sagen: Das Ganze geht so schnell, dass keine Zeit zum Angst haben ist :D 

Danach ist es nur noch geil und entspannt, irgendwo in der Luft zu hängen, eine tolle Aussicht zu haben und mit einigen Sachen auf den Berg zuzurasen. Sobald ich die Gelegenheit habe, werde ich es auf alle Fälle wieder machen. 

Die Landung verhält sich dann ähnlich wie der Abflug, wenn man es den mit dem Rennen beherrscht und nicht wie mein Flugmitstreiter lieber mit den Knien bremst .

Nach diesem erholsamen Erlebnis hatten wir dann leider noch wegen ein paar obligatorischer Organisationsschwierigkeiten Stunden Zeit, bis die zweite Hälfte der Truppe ankam.

Abends bewegte die Männerwelt dann aber nur noch ein Thema: Fleisch mit Fleisch als Vorlage, Beilage, Nachtisch und zum Trinken.  Nachdem ca. 1200gr. Fleisch den Weg von Tisch in den Magen gefunden haben (meine Nudeln waren auch sehr gut ), sollte nun das Peter-Feier-Programm gestartet werden, das irgendwie vor dem Verlassen des Hostel-Zimmers im Bett endete...womit wir bei der absoluten Oberschlappe angekommen wären. So feiert die Jugend heute Abschied! Indem sie um 23 Uhr ins Bett geht und bis morgens um 9 Uhr schläft - jawoll!

Einem relaxten dritten Vormittag mit Fleisch folgte dann der erste Abschied, der einen ein bisschen traurig stimmte (ich darf das, denn ich möse ja immer rum, PETER DU OLLER). So trat unsere auf 3 Personen dezimierte Gruppe den Rückweg nach Santiago an, während Peter sein Glück in den nächsten Tagen lieber in Buenos Aires probieren wollte. Aber wie das Glück einem Reisenden, der nur schnell nach Hause will, immer treu ist, haben wir drei Std. unserer Heimfahrt vor und an der Grenze nach Chile verbracht, die meiner Meinung nach alles toppt, was man in Amerika findet. Die Einreisebestimmungen sind so strikt und doch so undurchsichtig formuliert, dass mehr als ein Einreisender das Opfer chilenischer Bürokratie wird. Obst und alle Produkte, die daraus herzustellen sind, dürfen nicht eingeführt werden, aber mit meiner Marmelade gab es kein Problem - logisch, oder? Nach 4 Schlagen, 1.000 Stempeln sowie Hand- und Reisegepäcksdurchleuchtung (Abschiebung muss genauso aussehen!) haben wir dann endlich auf das Ankommen hoffen dürfen (habe ich das Trinkgeld fürs Durchleuten erwähnt :D), was dann um zwölf Uhr nachts auch endlich der Fall war...

Und so ging meine Argentinien-Reise zu Ende, nur um euch morgen von meinen unterirdischen Minen-Eindrücken berichten zu können.

Denkt auch an die Fotos, danke <3

10.11.10 04:01


Erbarmen! Zu Spät! Die Pauls kommen...

Kaum hatte der Dunst meines ersten Besuches in Sven-Form die Stadt verlassen, kam auch schon umgehend ein weiterer Chile-Besucher im schönen Santiago an: meine Mama! Nachdem die wenigen Touristen-Punkte der Stadt (es lohnt sich eigtl. kaum eine Zahl der Attraktionen zu suchen...man würde irgendwo unter 5 landen) das Wochenende bereichert haben, musste sie leider zu meiner großen Unzufriedenheit alle chilenischen (UN-)Sitten in geballter Form kennenlernen: Man nennt diese Sprachschule Ecéla und ich empfehle sie niemandem!

UNkoordiniert, UNkooperativ, und überhaupt UNmöglich! Nach zwei zähen Wochen hatte sie sich dann inkl. Papa, seines Koffers (am Flughafen Buenos Aires hat es leider nur der Koffer in das richtige Flugzeug geschafft...Papa immerhin in ein anderes ), André und meiner Wenigkeit ein wenig Urlaub im schönen Süden nahe Temuco verdient.

Nach dem ersten Abenteuer dank fehlendet Verkehrsschilde auf den gemieteten 4 Rädern unseres Zuckel-Suzuki, das ohne einheimische Hilfe wohl immer noch nicht zu Ende wäre, sind wir dann auch irgendwann bei Helmut und Adela im Niemandsland angekommen...allerdings muss man sagen, dass es wohl das schönste Niemandsland in Chile ist und unsere Unterkunft dank Helmuts schwäbischer Wurzeln wohl die einzig komplett warme und mit ausreichend Wasser versorgte Chiles ist! Erwähnt werden muss hierbei auch seine chilenisch-mapuchanische (wie auch immer) Frau Adela, die von mir den Preis für das weltbeste deutsche Essen außerhalb Deutschlands bekommt (ich liebe deine Spätzle!!!).

Nach weiteren holprigen Umwegen (vorhandene Beschilderung heißt nicht immer richtige Beschilderung in Chile!) und dem ersten dezenten Fluch meines Vaters auf die nicht asphaltierten Straßen, haben wir unser erstes Tagesziel "Villarica" erreicht, um dort ein bisschen am See zu spazieren und die Mächtigkeit des gleichnamigen Vulkans, der wie ein weißer Riese aus seiner grünen Umgebung ragt und munter vor sich hinraucht, zu bestaunen.

Der nächste Tag war für mich mein persönliches Highlight des Urlaubs: Nationalpark Conguillio! Nach der Besichtigung eines kleinen, aber wirklich beeindruckenden Wasserfalls haben wir uns unseren Weg durch unendliche Lavafelder gebahnt, um plötzlich in einer Region voller Seen zu landen, die so klar und farblich variierend sind, das man den ganzen Tag nur am Ufer sitzen und gucken könnte. 3/4 unserer Truppe hat die Möglichkeit genutzt, ein bisschen Wassertemperatur zu fühlen  - manche weniger, André mehr! Ein paar Lavabrocken weiter haben uns sogleich Bambuswälder mit Schnee begrüßt, der gegen Ende (gut geschützt von den hier stehenden Araukanien) sogar knietief wurde!

Der nächste Tag führte uns schließlich an die Pazifikküste und mit einigen kleinen Fähren auf eine vorgelagerte Sanddüne. Hier möchte ich zu Ehren Andrés den Hund erwähnen, der auf einer Seite wartete, um dann mit der Fähre überzusetzen, woraufhin wenig später zwei Pferde die entgegengesetzte Richtung genommen haben! 

Leider hieß es am nächsten Tag (dem 24. Geburtstag des allseits bekannten Präsidenten Andrés Lopes(insky)) schon wieder Abschied nehmen, denn meine Eltern sind weiter in den Süden gefahren, während es für die fleißigen (*hust*) Studenten hieß "Zurück nach Santiago".

Doch Gott sei Dank ließ das nächste Abenteuer in Form der "Peter-Gedächtnis-Abschlussfahrt" nach Mendoza (Argentinien) nicht allzu lange auf sich warten. Doch davon mehr beim nächsten Mal - das Bett ruft.

 Schlafen sie mal alle gut!

20.10.10 04:53


So viel Sand und keine Förmchen: San Pedro de Atacama

Nachdem mein Live-Stream zur Rettung der 33 chilenischen Mineros gerade mein Internet zum Zusammenbruch gebracht hat, ist mein fast fertiger Artikel zu San Pedro im Nichts verschwunden. Auch wenn ich jetzt schon einen Monat Verspätung im Berichten habe, bin ich gerade nicht wirklich gewillt, ALLES nochmal zu schreiben. Deswegen gibt es hier eine abgespeckte Version über San Pedro. Beschriftete uns geordnete Fotos sowie den Bericht über meine Reise nach Temuco gibt es dann morgen im Laufe des Tages.

Mein Begleiter über meine Fiestas Patrias, the one and only Sven, schlug also mit solcher Wucht in meinen chilenischen Alltag ein, dass die Erde förmlich erbebte! Okay, das ist ein ziemlich blöder Witz für Chile, wenn man bedenkt, dass ich in der letzten Zeit zwei kleine Erschütterungen gab und man auch bei NUR 5,9 lustig auf seinem Stuhl wackelt. Jedenfalls ist es ein cooles Gefühl Besuch zu bekommen, weil man dann erst richtig merkt, wie sehr man sein Leben in der Heimat vermisst - das ist mir hier im "Alltag" nicht immer bewusst. Deswegen war es umso toller, dass wir, nachdem Sven zwei Nächte illegal auf meinem ungemütlichen Fußboden genächtigt hatte (mein Bett gibt wirklich nicht viel her ), haben wir uns also auf den Weg nach San Pedro gemacht - 4 Tage nichts als Wüste!

3 Std. Schlaf, einem Abholservice um 3 Uhr morgens, ungewisser Warterei am Flughafen und einem ewig verspäteten Bus später haben wir uns unser Ziel dann auch endlich erreicht - endlose Weite voller Nichts. Ich dachte wirklich nicht, dass Orte auf der Welt existieren, wo es einfach NICHTS gibt :D Immerhin haben wir unseren Hostelbesitzer Roberto kennengelernt. Dem typischsten und zugleich untypischsten aller Chilenen: Muskelshirt, Haare bis zum Hintern und einer unglaublichen Gelassenheit (ob sein übermäßiger Genuss von Wackelpudding in stoned gemacht hat, keine Ahnung). Das Ganze wurde von seinem äußerst fragwürdigen Gefährt (Auto wäre zu viel gesagt), dass neben der halben Wüste auch eine ganze Werkstatt beinhaltete, unterstützt. Allerdings muss man sagen, dass wir richtiges Glück mit unserer Unterkunft hatten!

Mit den Touren fasse ich mich mal ein bisschen kürzer und bitte euch einfach, die Tage mal meine Fotos anzuschauen, wenn ich sie denn sortiert und beschriftet habe (mit chilenischer Gemütlichkeit versteht sich!). Am ersten Tag sind wir Richtung Salar de Atacama aufgebrochen, dem drittgrößten Salzsee der Welt, in dem auch verschiedene Arten von Flamingos leben. Mittags sind wir dann bis auf 4500m Höhe gefahren, um uns zwei Lagunen anzusehen. Ich muss zugeben, dass ich noch nie so eine intensive Farbe gesehen habe und ziemlich beeindruckt war. Das Ganze wurde dann hier und da noch von ein paar Vicuñas (Lamaverwandtschaft) gespickt. Ein paar gemächliche Schritte später habe ich mich allerdings gefühlt, als ob ein ganzer LKW über mich gerollt ist - gute, dünne Höhenluft. Sven hat es immerhin noch zu einem Kurzsprint geschafft, ts!

(Wow, jetzt ist der erste Minero wieder an der Oberfläche - Wahnsinn!)

Nach einer weiteren kurzen Nacht sind wir morgens um 4 Uhr zu den Geysern del Tatio (sprich: GAY-ser) aufgebrochen. Sven wäre vorher zwar beinahe vor unserer Tür den Straßenhunden von "San Perro" zum Opfer gefallen, die gleich zu dritt auf ihn losgegangen sind (zu viel Sonne scheint aggressiv zu machen), und ich heldenmutig einfach die Tür hinter ihm geschlossen habe - sorry nochmal dafür ^^! Eine meinem Magen alles abverlangende Fahrt später standen wir bei -15°C bibbernd im Nebel, der aus den unzähligen Kratern strömte und haben uns wahrscheinlich beide gewünscht, im  heißen Wasser zu sein, anstatt ihm munter beim Blubbern zuzusehen. Sven hat das dann wenigstens etwas später auch in den heißen Naturbecken für Touris nachholen können meine Wenigkeit zierte sich zu stark!

Passend zu unserem wohlverdienten Mittagsschlaf stieß dann der Schrecken unserer nächsten 2 Tage zu uns: Peter. Frisch gelaunt und voller Tatendrang hat er sich dann erstmal in unsere neu erworbenen Kenntnisse von San Pedro einweihen lassen, um am nächsten Tag gemeinsam mit zu unserer "archeologischen Tour" rund ums Dorf aufzubrechen. Einige Ruinen im Sand und Steinwälle später haben Sven und ich dann noch dem Sandsturm getrotzt und sind (statt mit 30 Personen nur zu 3) mit Guide und Fahrer ins Valle de la luna aufgebrochen. Aufgrund des Windes, der wirklich alles nierderwehen wollte, was ihm in den Weg kam, konnten wir nicht die übliche Route nehmen, was allerdings auf Grund des kleinen 4x4 kein Problem war, da wir so die eher "untypischen und untouristischeren" Plätze erreichen konnte. Lediglich unsere nächtlich geplante Sternenoberservation in der Wüste fiel dem Sand zum Opfer.

Kaum in Santiago angekommen, standen wir schon vor der nächsten Challenge: Was tun am Bicentenario - der Feier schlechthin in Chile. Gefragt, geplant wollten wir dem Rest der deutschen Familie nach Pichilemu, dem chilenischen Surfers Paradise, nachreisen...auch das stellte sich als etwas schwieriger heraus, da sich leider kein Busunternehmen bereit erklären wollte, 2 Reisenden der letzten Minute ein Busticket auszustellen. Hinzu kam, dass unser freundlicher Nachtwächter, den ich als meinen Verbündeten in Sachen Sven und "illegaler Übernachtung" (ich darf niemanden bei mir nächtigen lassen), mich zwang, die Hausbesitzerin anzurufen und ihr brühwarm aufs Ohr zu drücken, dass mein Zimmer doppelt belegt ist...ein paar Belehrungen später hat er mir dann gnädigerweise erlaubt, die Nacht noch durchgehen zu lassen, so dass wir erst am nächsten Morgen mit Svens Sack und Pack mussten. Ohne ihn wäre ich wahrscheinlich einem Nervenkollaps erlegen und wäre niemals vollbepackt mit so ziemlich allem, was Sven mitgebracht hat, am nächsten Morgen nochmal an den Busbahnhof, nur um am Ende irgendwie ohne Ticket doch nach Pichilemu zu fahren (merke: in Chile ist aber auch GAR NICHTS ein Problem - sehr löblich!).

Nächstes Problem stellte unser Hostel dar, das nicht (wie in Google gezeigt) direkt in der Stadtmitte am Meer lag, sondern ca. 6km außerhalb am letzten Berg links. Doch auch dieses Hindernis konnte gemeistert werden, so dass wir zwei nette Tage am Strand mit Surfen (okay, wieder nur Sven) und alkohollastigen Beschäftigungen hatten. Man passt sich seiner Umgebung eben an. Bicentenario hat Sven deshalb größtenteils im Bett verbracht und ich in diversen Unterkünften aller Austauschstundenten Santiagos und am Ende auch endlich in der "Fonda", was einer Art umzäuntem Marktplatz mit Musik und noch mehr "Borrachos" entsprach.

Nach dieser erlebnisreichen Zeit musste ich Sven dann allerdings schon wieder ziehen lassen, hatte aber wenig Zeit für Abschiedstrauer, da sich direkt am nächsten Abend meine Mama angekündigt hat - doch das ist eine Geschichte für morgen

 Nachti an euch und vamos Chilepo'.

13.10.10 05:41


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung